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Tafel-Insekten

als Beitrag zur Welternährung?

Ein Drittel der Weltbevölkerung isst bereits Insekten. Worauf warten wir noch?

Der moderne Mitteleuropäer achtet gerne auf seine Ernährung. Er knabbert “Superfood” wie Chiasamen und schlürft dazu einen Bio Matcha Latte. Das beruhigt nicht nur das Gewissen, sondern verleiht dem eigenen Image offenbar zusätzlich einen gewissen Glamour-Faktor. Etwas weniger glamourös erscheinen daneben Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Buffalo- und Mehlwürmer. Doch haben diese kleinen Tiere so einiges in sich, das auch sie zum Superfood qualifiziert. Was das genau ist, wie essbare Insekten ernährt, gezüchtet und getötet werden, erfährst Du im folgenden Artikel.

Essbare Insekten als Fleischersatz. Ein utopischer Gedanke?

Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Fleisch bis 2050 um fast 75% ansteigen. Dass die Befriedigung dieser Nachfrage ökologisch gesehen zum Problem werden kann, dürfte uns allen klar sein: Bisher werden bereits rund 70% der weltweit verfügbaren Ackerflächen direkt oder indirekt für die Fleischproduktion genutzt. Für deren Bewässerung werden wiederum gigantische Mengen Wasser benötigt, welches in vielen Teilen der Welt eine der kostbarsten Ressourcen ist. Hinzu kommt der enorm hohe CO2-Ausstoß bei der Fleischproduktion. Würde man also das weltweit konsumierte Fleisch zu einigen Teilen durch Insekten ersetzen, könnten einige dieser Probleme bereits gelöst werden. 

Seit dem 1. Januar 2018 gehören Insekten offiziell zu den “neuartigen Lebensmitteln”, welche von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) reguliert werden. Entsprechend entscheidet der EFSA seither über die Zulassung von Insektenarten als Lebensmittel. Diese Zulassung bezieht sich sodann auf das Insekt am Stück als auch in verarbeiteter Form. Einigen Ernährungswissenschaftlern zu Folge werden insbesondere diese verarbeiteten Insekten (als Burgerpattie oder Insektenmehl in Nudelteig) für uns Europäer den Einstieg deutlich erleichtern. Dieser Gewöhnungsprozess hat durch die mediale Präsenz des Themas bereits begonnen und wird voraussichtlich – wie bei Krebsen und Hummern, die ebenfalls Gliederfüßer sind – in einigen Jahren abgeschlossen sein. 

 

Essbare Insekten online bestellen

Neben den großen Anbietern wie SnackInsects.com finden sich mittlerweile auch zahlreiche kleinere Shops mit Tafelinsekten und Produkten aus Insektenmehl. Unsere absoluten Lieblinge sind hier zum Beispiel der Insektenburger-Bratmix und die Energieriegel mit Insektenmehl:

Häufige Fragen vor dem Verzehr von essbaren Insekten

Wie schmecken essbare Insekten?

Der Geschmack essbarer Insekten hängt natürlich stark von der Sorte ab. Insgesamt lässt sich das Geschmackserlebnis aber als nussig-herb bezeichnen. Besonders markant ist auch die Konsistenz und Oberflächenstruktur essbarer Insekten, welche sich für unsere Zunge zunächst ungewohnt anfühlen mag. Mit einer Hand voll Insekten gönnen wir also nicht nur unseren Geschmacksnerven eine willkommene Abwechslung, sondern auch sämtlichen Tastrezeptoren im Mundraum.

Womit werden essbare Insekten gefüttert?

Ein Tier, das zu Futterzwecken gezüchtet wird, ist per Definition ein Nutztier. Entsprechend dürfen dem Nutztier nur für Nutztiere zugelassene Lebensmittel verfüttert werden, was Speisereste etc. direkt ausschließt. Entsprechend genießen essbare Insekten zu Lebzeiten ein feines Buffet aus qualitativ hochwertigen Rohstoffen: Essbare Insekten werden mit Mehl, Weizengrütze, sowie überreifem oder äußerlich beschädigtem Obst und Gemüse gefüttert. Dieses kann ohnehin nicht mehr im Handel vertrieben werden und wird von den Insektenzüchtern häufig im Tausch gegen selbst hergestellten Dünger erworben. Gleichzeitig dient dieses Obst und Gemüse den Insekten als Wasserquelle. Sie werden täglich in mehreren kleineren Rationen gefüttert, sodass die Feuchtigkeit in den Zuchtboxen gezielt reguliert werden kann. 

Wie sind die Lebensbedingungen der Insekten?

In der Natur leben Insekten in großen Kolonien, weshalb bei diesen Tieren eine “Massentierhaltung” quasi dem idealen Lebensmodell entspricht. Während ihres relativ kurzen Lebens darf sich jedes einzelne Tier nach Lust und Laune fortpflanzen, – ganz im Gegenteil zu den Tieren in einer klassischen Viehzucht. In den Insekten-Farmen, deren Tiere wir zum Verzehr kaufen können, leben die Insekten unter möglichst natürlichen Bedingungen. Das bedeutet, die Luftfeuchtigkeit und die Umgebung wird entsprechend an das Ursprungsland der Tiere angepasst. Die Insekten leben in Kunststoffboxen auf artgerechten Nährböden, die regelmäßig gereinigt und erneuert werden. 

Sind essbare Insekten gut fürs Klima?

Von Fleisch auf Insekten umzusteigen ist in etwa vergleichbar mit einem Raucher, der zur E-Zigarette wechselt. Der durch den Konsum enstehende Schaden verringert sich zwar deutlich, doch bleibt es immer noch eher eine Übergangslösung. Das liegt vor allem daran, dass auch bei der Insektenzucht Energie verloren geht, dadurch dass für die Produktion von 1 kg Insekten 2-3 kg pflanzliches Futter benötigt wird. Das ist natürlich wirklich wenig im Vergleich zu 1 kg Rindfleisch, wofür bis zu 13 kg pflanzliches Futter verbraucht werden. Würden wir aber diese 2-3 kg pflanzliche Lebensmittel ganz einfach direkt als Nahrung aufnehmen, wäre die Energiebilanz noch um einiges besser. Schließlich könnten wir die kostbaren Inhaltsstoffe der Insekten, wie beispielsweise den großen Proteinanteil, mindestens genauso gut über rein pflanzliche Lebensmittel aufnehmen.

Kleiner Minuspunkt für die Insektenzucht: Die kleinen Krabbler mögen es kuschelig warm. Entsprechend vermehren sie sich erst ab Temperaturen über 25°C, was insbesondere in den Wintermonaten zu hohen Heizkosten und einem entsprechenden Energieverbrauch führen kann. 

 

Wie werden die essbaren Insekten getötet?

Per Definition können Insekten nicht geschlachtet werden, da man nur bei “Blutentzug bei Wirbeltieren” von einer tatsächlichen Schlachtung spricht. Insekten sind nun erstens keine Wirbeltiere und zweitens garantiert blutfrei. An Stelle von Blut nutzt ihr Organismus Hämolymphe als zirkulierende Körperflüssigkeit. Daraus ergaben sich in der Vergangenheit einige Unklarheiten im Zusammenhang mit der allgemeinen Schlachthofverordnung. Denn sie besagt: “Ein Schlachthof ist insektenfrei zu halten.” Inzwischen konnte sich der EFSA aber auf gewisse Richtlinien einigen, die es nun bei der Insektenzucht und -verarbeitung in Europa einzuhalten gilt. 

Wie zu erwarten, läuft die Tötung essbarer Insekten deutlich anders ab als bei der klassischen Viehzucht. Man geht davon aus, dass die Insekten ihren Todestag weder kommen sehen, noch anders wahrnehmen als jeden anderen Tag in ihrem Leben. Sie werden gemeinsam mit ihrer Kolonie in ihrer gewohnten Umgebung zur Tötungsstation gebracht. Dort werden sie entweder eingefroren, was mit einem Winterschlaf vergleichbar ist, der sodann in einen sanften Tod übergeht. Eine andere Möglichkeit der Schlachtung ist das Abkochen. Hier stirbt das Tier innerhalb von einer Zehntelsekunde und wird keimfrei gemacht. Durch das verkürzte Nervensystem der Insekten ist davon auszugehen, dass sie dabei keine Schmerzen verspüren. 

Wie geht die Branche mit Abfallprodukten um?

Bei der Aufzucht von Insekten entstehen natürlich genau wie in anderen Farmbetrieben gewisse Abfallprodukte, die für die Zucht nicht direkt weiter verwendet werden können. Dabei handelt es sich im Fall der essbaren Insekten fast ausschließlich um die verbrauchten Nährböden, welche mit Futterresten und den Ausscheidungen der Tiere versetzt sind. Einige Insekten-Farmen trocknen diese Erde und geben sie an benachbarte Gemüsebauern als heiß begehrten Dünger weiter. Im Gegenzug erhalten sie dafür überreifes oder äußerlich beschädigtes Obst und Gemüse, das sich nicht mehr für den Verkauf eignet. Damit wird die Insektenfarm zum echten Kreislaufunternehmen, welches gänzlich ohne Rückstände einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten kann. 

Tafelinsekten als Proteinpulver – Reines Protein und ein reines Gewissen

Wer als SportlerIn auf den eigenen Proteinhaushalt achtet, weiß wie schwer es sein kann, sich dabei umweltbewusst und nachhaltig zu ernähren: Die Produktion eiweiß- und proteinhaltiger Lebensmittel auf tierischer Basis ist eine der größten Umweltbelastungen unserer Zeit. Ein möglicher Lösungsweg für die gesunde Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung ist die Proteingewinnung durch Algen, Mikroorganismen und natürlich Insekten. Was liegt also näher, als daraus ein nährstoffreiches und nachhaltiges Pulver für Sportlerinnen und Sportler herzustellen: Insekten haben einen besonders hohen Proteinanteil (Insekten haben einen durchschnittlichen Proteinanteil von 50%, Grillen kommen sogar auf bis zu 77%) und enthalten zudem alle neun wichtigen Aminosäuren, die vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden können. Hinzu kommt ein hoher Vitaminanteil sowie ein optimales Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3.

Wir haben verschiedene Insekten-Proteinpulver von ISAAC getestet und waren begeistert von unseren neuen Proteinshakes. Wir empfehlen insbesondere die Zubereitung mit Wasser, Mandelmilch oder anderen veganen Milch-Alternativen. Lecker!

Schoko-Proteinpulver mit Insektenmehl

Kokos-Proteinpulver mit Insektenmehl

Vanille-Proteinpulver mit Insektenmehl

Tips für Nachhaltigkeits-Neulinge

Aller Anfang ist schwer. Deshalb nehmen wir dich für die ersten Schritte gerne bei der Hand.

1. Superfood aus der Region

Chiasamen, Quinoa und Gojibeeren sind was für Hipster?

Du möchtest Lebensmittel mit einer besonders hohen Nährstoffdichte und kannst auf den Lifestyle-Exotik-Faktor gut und gerne verzichten? Dann haben wir hier ein paar Tips für dich: Nutze Hirse anstatt Quinoa, Leinsamen anstatt Chiasamen, Sanddorn anstatt Gojibeeren, Grünkohl anstatt Weizengras und Blaubeeren anstatt Açaí-Beeren.

2. Erweitern anstatt Ersetzen

Es gibt so viel, das du noch nicht probiert hast!

Wenn du deinen Ernährungsplan auf Nachhaltigkeit umstellen möchtest, wirst du schnell feststellen, wie viele leckere Lebensmittel noch darauf warten, von dir probiert zu werden. Auch wenn bei den ersten Malen bei der Zubereitung noch das ein oder andere schief läuft, – mit unseren Rezeptideen und Verarbeitungstipps wirst du im Handumdrehen zum Gemüse-Gourmet! 

3. Küchenabfälle? Du meinst Erde?

Wer nachhaltig kocht, spart sich die Restmülltonne.

Küchenabfälle sind in den seltensten Fällen tatsächliche Abfälle: In den Schalen deiner Zwiebel, dem Strunk deiner Tomate und deinem abgenagten Apfelbutzen steckt so viel Potential, das wir auf keinen Fall vergeuden wollen! Mittlerweile gibt es direkt für deine Küchenzeile vielfältige Möglichkeiten wunderbare Komposterde herzustellen und auf diese Weise Küchenabfälle nachhaltig und umweltschonend zu recyclen.

 

Unsere Philosophie

Es muss nicht alles sofort passieren. Nimm dir Zeit für deinen Weg zu einem nachhaltigen Lebensstil und feiere jeden einzelnen Schritt, auch wenn er noch so klein ist. So wird auch dir schnell klar: Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht, sondern einen Gewinn für deine Lebensqualität.

Unsere Tipps

Unsere Tipps und Anregungen sind nicht als Regel oder gar Verbote zu verstehen. Wir möchten dir Anregungen geben wie du mit kleinen Schritten Stück für Stück zu einem nachhaltigeren Lebensstil wechseln kannst, ohne Verbote und fast ohne Einschränkungen.

Unsere Partner

Als Blog für nachhaltige Ernährung und Lebensmittelalternativen arbeiten wir mit unterschiedlichen Anbietern und Partnern zusammen, denen ebenfalls unsere Umwelt und unser Klima am Herzen liegt. Dabei achten wir auf faire Arbeitsbedingungen und umweltfreundliche Verpackung.

Du bietest selbst nachhaltige Produkte zum Verkauf an?

 

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